Ein Jahr Training – vom Projektieren zum Onsight-Klettern

Bevor ich mich für die Ausbildung zur eidgenössisch geprüften Kletterlehrerin entschied, beschränkte sich mein privates Kletterleben auf das Klettern am Fels. Dabei faszinierte mich vor allem das Projektieren von Routen über meinem Onsight-Niveau. Das Onsight-Klettern blieb somit weitgehend aussen vor, von Routen zum Einklettern oder in Mehrseillängen abgesehen. Ich betrachtete jedoch mein Talent in diesem Bereich als eher beschränkt und somit machte es mir auch wenig Spass.

Nun sollte ich für die Ausbildung genau diese Herausforderung meistern, die ich bis dahin oft gemieden hatte: das Onsight-Klettern einer Route in der Halle, die in einem Niveau lag, welches ich bis zu diesem Zeitpunkt in der Halle noch nicht einmal mit geduldigem Projektieren bewältigen konnte.

Der Zeitplan war gesetzt: ich hatte ein Jahr Zeit und ich wollte dieses investieren, um mein Ziel zu erreichen. Wie ich dieses optimal genutzt habe und vor allem was ich gelernt habe erfährst du hier:

Felsklettern

Natürlich war meine grosse Angst, dass ich Projekte am Fels für ein Jahr vergessen müsste. Ich stellte jedoch schnell fest, dass Klettern am Fels gar nicht so schlecht war, um das Training zu variieren.

Ich hole mir professionelle Hilfe

Zu Anfang arbeitete ich 90% im Büro und gab noch zusätzlich Kletterkurse, wodurch meine Kapazität mich um mein Training zu kümmern recht gering war. Ausserdem hatte ich noch nie trainiert und wusste nicht so recht, wo anfangen. Daher war meine erste Aufgabe mir jemanden zu suchen, der mich in Sachen Trainingsplan unterstützte. So konnte ich meine Konzentration auf das Training verwenden und darauf vertrauen, dass der Inhalt des Plans mich in Richtung meines Ziels brachte.

Training als Termin

Manchmal war ich müde und wollte nur einen ruhigen Abend zu Hause verbringen. Um mich zum Training vor allem nach langen Arbeitstagen zu motivieren, habe ich feste Trainingstermine mit meiner Trainingspartnerin in meinem Kalender eingetragen. Dies half mir mich zum Training zu motivieren, denn die Freundin wollte ich auf keinen Fall hängen lassen. Oft ging ich auch direkt von der Arbeit in die Kletterhalle um nicht auf dem Weg über mein Bett zu stolpern.

Klettern, was Spass macht

Den Spass und der Glaube an die Sache nicht zu verlieren ist manchmal gar nicht so leicht. Daher muss es immer erlaubt sein, den Trainingsplan auch einmal über den Haufen zu werfen und drauf los zu klettern. Denn soll man sich für Klimmzüge überreden, wenn es gerade viele spannende neue Boulderprobleme zu lösen gilt? Meine Regel bestand in einer solchen Situation oft aus einem Kompromiss: Klettern, was Spass macht ist erlaubt, aber das Krafttraining wird dann nachgeholt… Und neue Boulder hiess in meinem Fall ja auch neue Erfahrungen im Onsight-Klettern, somit war das Training ja nicht wirklich verschenkt.

Pause machen

Nicht das Training macht dich stärker sondern die Pause danach! Was einfach klingt, ist recht kompliziert, wenn man das Gefühl hat, dass die Zeit rennt und es noch so viele Dinge gibt, die man lernen sollte. Denn gerade das Onsight-Klettern gilt als schwierigster Begehungsstil einer Route und es braucht neben genügend Kraftausdauer auch eine ganze Menge an verschiedener Bewegungserfahrungen, Taktik und Selbstvertrauen. Während dem Jahr habe ich aber gelernt auf meinen Körper zu hören und mir Pausen zu gönnen. Sobald ich merkte, dass ich mich zwischen den Trainings nicht mehr richtig erholen konnte, habe ich eine längere Kletter-Pause gemacht oder den Trainingsinhalt angepasst.

Die richtige Zielsetzung

Wenn ich an meinen Schwächen arbeitete, war das Frustrationspotenzial oft sehr hoch. Daher war es mir wichtig, dass ich ein Ziel hatte, welches mein Selbstvertrauen stärkte. Ein solches Ziel lautete zum Beispiel „Bei jeder Trainingsaufgabe alles geben“. Zur Überprüfung stellte ich mir folgende Frage: Wie bewerte ich mein Commitment für die Aufgabe auf einer Skala von 1 bis 10? Konnte ich die Frage mit „10“ beantworten, so hatte ich mein Ziel erreicht.

Mentales Training

Ich kann nicht behaupten, dass mein Jahr nicht auch von Phasen des Zweifelns geprägt war. Die Prüfung rückte immer näher und ich war immer noch nicht in der Lage das geforderte Niveau zu klettern oder zumindest eine konstante Trainingsleistung zu erzielen. Meine Hände wurden schwitzig und mein Herz fing an zu klopfen, wenn ich an die Prüfung dachte und daran, wie vielen Menschen ich erklären müsste, dass ich es nicht geschafft habe. Als meine Nervosität an ihrem Höhepunkt angekommen war, begann ich die Inhalte meines Psychologiestudiums auszugraben, um meine Trainings mit mentalen Techniken wieder auf Erfolgskurs zu bringen.

Prüfungsvorbereitung

Die letzten Wochen verbrachte ich damit, die Prüfung vorzubereiten. Dabei fokussierte ich vor allem auf die Dinge, die ich kontrollieren konnte, wie zum Beispiel das richtige Aufwärmen am Prüfungstag. Dies half mir in zweierlei Weise: Zum einen entwickelte ich ein Gespür für die richtigen Übungen während dem Aufwärmen. Zum anderen stärkte es aber auch mein Selbstvertrauen. Ich erkannte, dass mich die erste Prüfungsroute optimal auf die zweite vorbereitete, sollte ich nicht genug aufgewärmt sein.

Nach unzähligen Trainingsstunden war es dann soweit: Der Prüfungstag war da. Die Spannung über das Resultat habe ich mir und all meinen Unterstützern bis zum Ende aufgehoben. Das geforderte Niveau habe ich nämlich erst am Tag selbst geklettert.

Gros Mont, 7b+ Foto: Daniel Rebetez
Gros Mont, 7b+ Foto: Daniel Rebetez

Bist du in einer ähnlichen Situation? Du hast ein Ziel, aber weißt nicht so recht wie du dahin kommst? Gerne unterstütze ich dich dabei. Schreib mir einfach eine Email. Ich freue mich auf deine Geschichte!

Liebe Grüsse,

Deine Jasmin

PS: Übrigens ist für mich die Bereitschaft zu Lernen eine der wichtigsten Voraussetzungen für Erfolg. Schlecht im Onsight-Klettern war ich wahrscheinlich nie, ich hatte mir nur keine Chance gegeben, es zu lernen.

Erster Kletterkurs Fortgeschrittene im SAC Tessin

Vergangenes Wochenende konnten wir trotz instabiler Wetterlage den ersten Teil des Kletterkurses Fortgeschrittene für den SAC Tessin erfolgreich durchführen.

Am ersten Tag lag der Schwerpunkt auf spezifischen Technikübungen, um auf den schönen Tessiner Gneisplatten sein Gleichgewicht zu finden. Der zweite Tag führte uns nach Sobrio, wo wir uns weiter der Fusstechnik widmeten aber auch verschiedenen Taktiken studierten, wie man sich bei winterlichen Bedingungen warm halten kann. Das Lagerfeuer und der Kaffee war hier Programm!

Wir freuen uns auf das zweite Wochenende in zwei Wochen.

Und hier einige Impressionen, die strahlenden Gesichter sagen alles…

En route pour Taghia

Le Projet Maroc 2015 avait deux grands objectifs: l’ouverture du bas d’une nouvelle voie de plusieurs longueurs dans les montagnes du Rif et la réalisation d’un documentaire exposant une thématique actuelle du village berbère de Taghia.

En route pour Taghia propose une approche au village et à ses habitants diffèrent par rapport à la plus grande partie des vidéos qu’on trouve sur le web.

Il est intéressant de se poser la question, avec l’imminente construction de la route reliant Taghia au reste du monde, quelles dynamiques vont changer dans l’équilibre de la population locale…

Un grand remercîment à Arnaud Petit et Stéphanie Bodet, ainsi que les habitant du village qui nous ont accordé leurs impressions.

Bonne vision !

Zwei Wochen in der griechischen Kleinstadt Leonidio

Als wir uns entschieden unsere Weihnachtsferien in Leonidio zu verbringen, hatten wir keine Idee, was uns genau erwarten würde. Im Internet wurde gemunkelt, dass es das grösste unerschlossene Klettergebiet Europas sein könnte. Dieses Gerücht und die Aussicht auf mildes Klima, Sonne und Strand, hörte sich für uns an, als ob wir mal einen näheren Blick riskieren könnten. Wir planten unsere Reise dementsprechend ausgerichtet auf die Möglichkeit neue Routen zu erschliessen und  trotzdem viel zu klettern. Und wir wurden nicht enttäuscht…

Topos und Infos unter: Climbing Leonidio

Sektor Elona - lang, länger, am längsten...
Sektor Elona – lang, länger, am längsten…
Sektor Elona hat per sofort zwei Aufwärmrouten
Sektor Elona hat per sofort zwei Aufwärmrouten
Sektor Elona hat per sofort zwei Aufwärmrouten
Sektor Elona hat per sofort zwei Aufwärmrouten
Routenplanung beim Frühstück: Welche Mehrseillänge machen wir heute?
Routenplanung beim Frühstück: Welche Mehrseillänge machen wir heute?
Treffpunkt der Kletterer: das Panjika
Treffpunkt der Kletterer: das Panjika
Auch für die Vertikal-Liebhaber gibt es Fels!
Auch für die Vertikal-Liebhaber gibt es Fels!
Fels, Sonne und Meer, so hatten wir uns das vorgestellt.
Fels, Sonne und Meer, so hatten wir uns das vorgestellt.
Pause tut auch mal gut...aber bei der Aussicht bleibt man auch in der gemütlichen Hängematte nicht allzu lange liegen.
Pause tut auch mal gut…aber bei der Aussicht bleibt man auch in der gemütlichen Hängematte nicht allzu lange liegen.

Ganz oben

Nach den Strapazen des Routenerschliessens und Erstbegehens beschliessen wir auf dem schnellsten Wege nach Marrakech zu fahren, um entspannt mit Freunden ein paar Tage den Luxus eines Hotels zu geniessen und die Stadt zu besichtigen.

Doch der Wetterbericht hat anderes mit uns vor : Der einzig schöne Tag der Woche scheint nur 3 Tage später zu sein und den wollen wir auf dem höchsten Punkt Marokkos und Nordafrikas verbringen !

So verzichten wir auf eine vollständige Erholung und düsen am 2. März nach nur 2 Tagen in der Grossstadt Richtung Atlas.

Imlil
Imlil

In Imlil – dem Startpunkt der Skitouren – angekommen, organisieren wir uns sofort ein Maultier, um gleich noch am Nachmittag zur Hütte aufzusteigen. Unser Guide bringt unsere Skiausrüstung mit seinem Maultier bis zur Schneegrenze, dann sind wir auf uns alleine gestellt. Es beginnt ein schöner einsamer Aufstieg bis auf 3000m. In der Hütte angekommen, finden wir uns mitten unter Österreichern, Engländern und Kanadiern wieder und fühlen uns fast wie zu Hause in den Alpen.

Zustieg Toubkal Maultier
Hier ersetzen Maultiere den Sessellift

Am 3. März stehen wir dann nach weiteren 1000m Aufstieg auf dem Jbel Toubkal (4167m) bei wunderschönem Wetter.

Jbel Toubkal (4167m)
Jbel Toubkal (4167m)

Wir geniessen die Aussicht und das Gefühl ganz oben zu sein, bevor wir dann über die Couloirs der Nordseite in schönem Pulverschnee abfahren.

Die exponierteste Stelle der Tour ? Die Überquerung eines Gebirgsflusses nachdem man die Ski ausgezogen hat !

Descente Toubkal
Abfahrt über die nördlichen Couloirs

There is no I in Team

Geschafft! Wir haben vier Seillängen erschlossen. Wie geplant von unten daher verzeihe man uns den ein oder anderen Spit an der falschen Stelle oder zu viel. Was lässt sich darüber berichten?

Da wäre wahrscheinlich zuerst die Müdigkeit, die einen ab dem zweiten Tag in der Wand durchdringt und schon morgens um 07 Uhr beim jumarn an den Arbeitsplatz den Gedanken aufkommen lässt, dass es doch viel einfacher wäre, sich einen Tag Pause zu gönnen. Oder gleich ein anderes Hobby zu suchen.

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Zeit zum Träumen

Und dann wäre da als zweiter Punkt Jasmins Perspektive auf unser Projekt. Die war meistens aus der Sicht des Sichernden. Denn sie hatte die etwas frustrierende Erfahrung gemacht, dass sie eine 5 kiloschwere Bohrmaschine keine Sekunde über ihrem Kopf halten kann geschweige denn ein 10cm tiefes Loch in den Felsen bohren. Ihr Stellenprofil sah darum folgendermassen aus:

Professioneller Sicherer: Armando keine Sekunde aus den Augen lassen um im Falle eines Sturzes diesen optimal abfangen zu können.

Persönlicher Berater: Armando bei diversen Entscheidungsproblemen helfen, z.B. ob er nach rechts oder links klettern soll, den Haken weiter oben setzen oder doch schon weiter unten etc.

Logistiker: Zulieferer von Material aller Art, Bohrmaschine, Spits, Expressschlingen etc. über das Materialseil

Psychologe: Stresssituationen aller Art managen. Oft musste aber Armando eher für mich Psychologe spielen, habe ich doch mein Talent für lose Steine in diesen Tagen entdeckt…

Beobachter: Egal wie vielen verantwortungsvollen Aufgaben man beim Sichern nachgeht, man hat dazwischen auch sehr viel Zeit zum Nachdenken. Also kommt man nach vielen Stunden Rumhängens auf den Gedanken, ob der, der unten sichert genau so viel leistet, wie der, der bohrt.

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4. Seillänge – 7a

Und daher hatte ich nach 20 Stunden im Stand Lust auf einen Rollentausch. Um nicht noch weiter darüber sinnieren zu müssen, welcher Wert meine Arbeit hat. Drei Haken weiter hatte ich dann die Antwort. Denn leider bohrt es sich auch mit den Anfeuerungsrufen des Partners und der Wut, weil man zu schwach ist, nicht besser, die Bohrmaschine wird nicht leichter und der Fels nicht weicher.

Da muss man dann einfach Selbstwert und Ego zur Seite stellen. Und den Kern der Sache sehen, nämlich das Routen erschliessen als Teamangelegenheit: Der eine bohrt, der andere sichert.

Letzte Seillänge

Warning: For Speleologist’s only

Es regnet. Seit drei Tagen ohne Unterbrechung. Wir haben aufgeräumt, gelesen und vor allem diskutiert, ob es sich lohnt zu warten. Am vierten Tag haben wir genug davon auf das für den nächsten Tag angekündigte schöne Wetter zu warten. Also entscheiden wir uns zumindest die erste Länge zu klettern, welche schon erschlossen und mit 6a bewertet ist. Auch können wir somit unseren Arbeitsplatz für die kommenden Tage einrichten und ein Fixseil platzieren.

Das war alles nass! 

Gesagt getan. Wie erwartet trieft die Wand aus allen Poren, doch zumindest der Regen beruhigt sich etwas und hört schliesslich auf. Und obwohl wir jetzt nicht gerade jeden Tag auf nassem Fels klettern möchten, macht es uns nach drei Tagen „Fossil spielen“ recht Spass und wir fühlen uns wie Speleologen in einer Grotte aus Sintern, Löchern und tropfenden Rinnen.

Stand der 6a