Drei Wochen warten auf die Fiesta de los Biceps

Seit Jasmin vor ein paar Jahren Bilder aus der Route Fiesta de los Biceps gesehen hatte, stand diese Route auf der „Climb to do in my life“-Liste. Demnach war unser Plan für den Trip, das Basecamp in Siurana aufzuschlagen und bei einem anhaltend guten Wetterfenster Richtung Riglos aufzubrechen.

Die Ankunft in Spanien war genau wie wir es uns vorgestellt hatten: Die Sonne lachte in unser Gesicht, die Vögel weckten uns morgens mit ihrem Gezwitscher und die ersten Kirschblüten trauten sich aus ihren Knospen.

Angekommen im Dorf von Cornudella del Montsant verbrachten wir einige Tage mit Sportklettern in dem Glauben, dass wir ja noch genügend Zeit während unseres Aufenthalts zur Verfügung hätten. Doch schon nach 4 Tagen änderte sich die Wetterprognose von sonnig auf regnerisch und dann von regnerisch auf frostig. Kein Grund zur Panik dachten wir uns, denn wir hatten in den ersten Tagen ordentlich Haut und Kraft gelassen und freuten uns auf 1 oder 2 Ruhetage. Zum Glück hatten Bekannte von uns den Tipp mit dem Thermalbad gegeben, welches uns als idealer Ort für die Wetterprognose erschien. Nach einigem Suchen und Fragen erreichten wir das Thermalbad von Selva del Camp. Es entpuppte sich schnell als Klettertreff der Schlechtwettertage und wir pendelten stundenlang genüsslich zwischen den verschieden temperierten Wasserbecken und Saunen hin und her, wo wir so allerhand neue internationale Kletterbekanntschaften machten.

So verging die Zeit bis wir uns die Frage stellen mussten, ob wir überhaupt noch einen einigermassen warmen Tag für die Fiesta de los biceps finden würden. Kalte Nächte, vereiste Scheiben, eine Gasheizung am Limit ihrer Heizkraft, die eisige Luft und ein noch eisigerer Wind liess unsere Motivation auf Klettern von Tag zu Tag kleiner werden und zeitweise spielten wir auch mit dem Gedanken, wir könnten doch einfach nach Hause fahren. Doch dann tauchte im Wetterbericht plötzlich ein Temperaturanstieg auf, welcher sein erstes Hoch am Tag unserer Abreise verzeichnete. Etwas skeptisch aber doch mit einem Funken Hoffnung begannen wir zu planen, ob es möglich war an diesem schönen Tag die klassische Route „Fiesta de los biceps“ zu klettern und pünktlich zur Masterverleihung von Armando in Fribourg zu sein. Da die Route stark überhängt, sollte der angekündigte Regen am Vortag keine allzu grosse Rolle spielen und den Ausstieg trauten wir uns auch unter nassen Bedingungen zu.

Also waren alle weiteren Diskussionen überflüssig, wir würden es versuchen und im schlimmsten Falle eben 2 Klettertage in Siurana „vergeudet“ haben.

Der Tag der Tage rückte näher und der Wetterbericht blieb stabil bei seiner Ankündigung des schönen Tages X. Jetzt hiess es den Regen auszusitzen und zum hundertsten Mal den schönen Text im Buch „Parois de Légendes“ von Arnaud Petit zu lesen: „Traumhafte Seillängen für alle, die es schaffen, trotz des fragwürdigen Konglomerat-Gesteins entspannt zu klettern.“

Nach einer ruhigen und vor allem warmen Nacht waren wir mit den ersten Sonnenstrahlen auch die ersten, welche in die Route einstiegen. Im Hinterkopf hatten wir noch den letzten Satz aus Arnauds Buch: „Um seine Ausdauer nicht gleich in der ersten Länge durch panisches Festhalten zu vergeuden hilft es vielleicht an die Solobegehung des Kletterers Carlos Garcia im Jahr 1989 zu denken.“

Doch wir brauchten uns gar nicht so sehr auf das Entspannen konzentrieren, denn die Kletterei ist durchweg homogen und schon nach ein paar Metern fällt man in einen meditativen Flow, in dem nur die Bewegung zählt, das Wandern von Griff zu Griff und das Eintauchen in das Meer aus Klötzen und Würfeln.

Für alle, die in diesem atemraubenden Ambiente einmal klettern wollen, dürfen uns gerne kontaktieren. Wir freuen uns, Euch die schönen Touren zu zeigen. Das Niveau für die klassische Route „Moskitos“ ist mit 5c/6a obligatorisch sicherlich für viele zugänglich. Wer 6b oder mehr klettert, wird mit uns auf jeden Fall auch einen Blick in die Fiesta de los biceps oder Zulu Demente werfen.